die gärtnerei
  • Home
  • News
  • Bilder
  • Veranstaltungen
  • Presse
  • Kontakt
    • Impressum
Frankfurter Rundschau, 24.03.2012 

Im Feenland 


Unsere Autorin stellt die etwas andere Gärtnerei von Eckhard Dürre und Gabriele Hehl vor. Gartenfans ereilt hier schnell eine Kombination aus Glücks-, Kauf- und Ideenrausch.


Es sieht aus, als stünde alles schon eine Ewigkeit genau an diesem Ort – das Jugendstil-Relief aus Stein, das an einem kleinen Vorsprung lehnt. Der Baumfarn, der seine Wedel wie einen grünen Schirm über dem dunklen Stamm aufspannt. Selbst die rostroten Ziegel der Backsteinmauer wirken, als schützten sie schon seit hundert Jahren die zarte Frauenbüste zwischen Hortensien, Buchsbaum und Rhododendron vor allzu neugierigen Blicken. „Unser Schattenzimmer“ nennen Eckhard Dürre und Gabriele Hehl den hinteren Teil ihrer Gärtnerei, in dem sie all die Pflanzen zur Schau stellen, die auch ohne viel Licht gedeihen und dabei eine gute Figur machen.


Dass ihr Schattenreich aussieht wie für und vor einer Ewigkeit gemacht, ist Absicht. „Manche Kunden fragen uns, ob das die Mauerreste eines alten Gehöfts sind“, erzählt Gabriele Hehl. Dann freuen sie sich und wissen, dass ihr Plan aufgegangen ist: Dass alles eben aussehen soll, als wäre es schon immer da gewesen.
  
Tatsächlich stehen die Mauern, die Pflanzen und das dekorative Drumherum erst seit 16 Jahren. 1996 pachtete das Gärtner- und Garteningenieur-Paar das Gelände in der Chamissostraße in Frankfurt-Eschersheim von der Stadt. Es war eine Müllhalde, „aber genau das, was wir gesucht hatten“. Ein Jahr lang entsorgten sie Autowracks und Müll und bekämpften den Brombeer-Dschungel. Dann konnten sie mit dem „Eigentlichen“ loslegen – dem Pflanzen, Säen, Gestalten, Pflastern, Fantasieren ...


Wer heute durch das eiserne Tor am Eingang tritt, vorbei an der hohen Palme und über den knirschenden Kies läuft, der betritt eine andere Welt. Nach einer Anfahrt vorbei an Reihenhäusern, wirkt das 2500 Quadratmeter große Gelände wie ein Feenland, wie ein verwunschener Garten und nicht wie eine Gärtnerei.

Büsten, Engel und Obelisken

Überall plätschert, murmelt, gurgelt Wasser. Fabelwesen sitzen an Brunnenrändern, Kletterrosen winden sich entlang romantischer Zäune und Spaliere, hier lugt das Dach eines englischen Wintergartens durch die Zweige und dort das Glasdach eines Gewächshauses. Büsten und Engel, Obelisken, Terrakotta-Töpfe oder Schalen stehen neben einladenden Sitzplätzen und einem Meer aus Hyazinthen, Anemonen, Vergissmeinnicht, Krokussen oder zartrosafarbenen Kamelien-Büschen. Selbst auf dem Boden wetteifern selbst verlegte Kiesel in filigranen Mosaiken mit Sandsteinwegen oder rustikalen Wackersteinen.

 Alles Absicht. Bei Gabriele Hehl dürfen die Pflanzen oder Dekoelemente „nicht einfach irgendwie rumstehen“. Alles ist durchdacht und doch lässig arrangiert, nichts so, wie man es überall bekommen könnte. Hehl und Dürre sind Liebhaber, sie sammeln ungewöhnliche Stücke: Buntglasfenster aus Abbruchhäusern, alte Zäune, Tore, Brunnen. Sie folgen keinem Trend, nehmen nur ins Sortiment, was ihnen gefällt: „Wir transportieren Stimmungen.“

 Gartenfans ereilt hier schnell eine Kombination aus Glücks-, Kauf- und Ideenrausch. Manch einer ist von den Pflanzen- oder Gartenszenen so angetan, dass er sie gleich komplett mit nach Hause nimmt. Und manche Kunden kommen mehrfach die Woche, nur so – zum Gucken und Schwelgen. 2012 allerdings geht das nur noch dreimal die Woche. Das Paar hat die Öffnungszeiten verkürzt. „Wir schaffen die Arbeit nicht mehr“, sagt Hehl. Die beiden betreiben nicht nur „Die Gärtnerei“, sondern legen auch Privatgärten an. Und viele wollen jetzt einen Garten, der genauso aussieht wie der in der Chamissostraße.

Quelle:  
http://www.fr-online.de/rhein-main/blumenkauf-im-feenland,1472796,11984342.html








Frankfurter Rundschau, 05.07.2008


                                                                                            In die Geborgenheit

Es dauert vielleicht 20 Minuten, dann weicht das Gefühl anregender Neugier einer wohligen Umarmung der Geborgenheit. Ein heller Kiesweg führt hinein - zum Naturerlebnis in die Eschersheimer "Gärtnerei".

Es dauert vielleicht 20 Minuten, dann weicht das Gefühl anregender Neugier einer wohligen Umarmung der Geborgenheit. Ein heller Kiesweg führt hinein in "Die Gärtnerei" in der Eschersheimer Chamissostraße, linkerhand warten enge, dicht bewachsene Pfade darauf, entdeckt zu werden. In der Ferne, irgendwo in diesem wilden, verschlungenen Paradies aus Grün und Blüten, gluckert einer der unzähligen Brunnen, begleitet vom Blätterrauschen der haushohen Bambusgewächse, die den Garten zu seiner Rechten begrenzen.

Gabriele Hehl liebt dieses Geräusch. Im Vorbeigehen streift sie sanft mit der Hand über die Bambusblätter. "Bambus hat eine unheimliche Kraft", sagt die 53-Jährige, und es klingt, als spreche sie über einen Mitmenschen, einen guten Freund. Im Grunde liebt sie all die Pflanzen, die sie mit ihrem Mann Eckhard Dürre auf dem 2500 Quadratmeter großen Areal angeordnet hat. "Wir gehen hier keinen Trends nach", sagt sie voller Überzeugung. "Was uns gefällt, bringen wir hierher." Wobei "herbringen" in diesem Zusammenhang eine fahrlässige Untertreibung ist. Aus dem heruntergekommenen Niemandsland, zugestellt mit Autowracks und Müll, hat das Gärtner-Ehepaar in 13 Jahren Pflanze um Pflanze eine Oase in der Großstadt geschaffen. Ein Kleinod, das diesen Namen auch verdient. Heute heißt es schlicht "Die Gärtnerei". "Gabis Blumenladen" wäre auch wirklich unpassend gewesen, findet Hehl.

Trotzdem können Hobby-Gärtner in der Gärtnerei, nur einen Steinwurf von der Hügelstraße entfernt, natürlich alles kaufen, was der grüne Daumen so braucht. Gehölze, Rosensträucher, Stauden, Gewürze. In dem großen Gewächshaus in der Gartenmitte blühen Balkonpflanzen. Doch das Angebot begnügt sich nicht mit den Pflanzen. Versteckt zwischen dem dichten Grün plätschern steinerne Brunnen in allen Formen, in der Erde stehen Feuerschalen. Rostige, alte Türen, Zäune und Jugendstilbänke und Pavillons fügen sich immer wieder in das Gewächs ein, als wären sie ein ursprünglicher Teil der natürlichen Schönheit. Feuer und Wasser, das wird schnell klar, gehören in der Gartenphilosophie des Ehepaares untrennbar zusammen.

"Wir schaffen hier eine Illusion", gibt Hehl zu. Eine Illusion des immerblühenden Gartens. Aber auch eine Illusion, die sich jeder nach Hause holen kann, davon ist die gelernte Gärtnerin überzeugt. Viele, die zu ihr in die Chamissostraße 38 kommen, lässt der Zauber nicht mehr los. "Machen Sie das bei uns!", bekommen die Gärtner dann zu hören. Garten- und Landschaftsbau gehört zum Angebot der Gärtnerei, Gatte Eckhard Dürre hat damit reichlich Erfahrung. Für die Kunden versuchen die beiden alles möglich zu machen. Die Gartenlandschaft ist dann auch so etwas wie ein Vorzeigeobjekt. Dabei geht es Hehl nicht im geringsten um das Vorzeigen. Akkurat getrimmte Vorgärten sind ihr ein Graus. "Wir wollen Gärten nicht als Prestigeobjekte anlegen", sagt sie entschieden. Der persönliche Austausch mit den Kunden, die sie fast alle beim Namen kennt, steht im Vordergrund. Sonst kann der Garten nicht leben, glaubt die 53-Jährige. "Pflanzen geben Kraft, sie haben einen Zauber, der ihnen innewohnt.

Und tatsächlich geschieht im Inneren vieler Menschen etwas, wenn sie sich der Atmosphäre dieses Gartens hingeben, der im wahren Sinne des Wortes ein Naturerlebnis sein kann. Je länger man sich dort aufhält, desto stärker drängt sich eine Sehnsucht nach der Nähe zum Ursprünglichen auf. Spätestens wenn man den Weg mit den unterschiedlichen steinernen Pflasterungen entlangläuft, möchte man sich von den Schuhen befreien, die einer noch unmittelbareren, physischen Erfahrung dieses Gartens im Wege stehen.

Ganz am Ende des langgezogenen Grundstücks ist die Aura des Vergangenen greifbar. Hindurch zwischen zwei Säulen gelangt man in den Bereich, den die Inhaber "Schattenzimmer" nennen. Für den Schatten zeichnet der große Nussbaum verantwortlich, der Zimmercharakter stammt von der Wand aus alten, hartgebrannten Steinen, die Eckhard Dürre gebaut hat. Mit dem eingemauerten Gitter und den alten Holztüren sieht das Mauerwerk aus, als stünde es schon 100 Jahre dort.

Es ist nicht nur für die Inhaber ein Glücksfall, das Areal mitten in dem Eschersheimer Wohngebiet entdeckt zu haben. Jahrelang lag der Grünstreifen im Eigentum der Stadt brach und verkam, inmitten dieser Wohnstraße mit den schmucken Reihenhäusern. "Unser Glück war, dass bei der Stadt die Kassen leer waren", berichtet Hehl. Viel Überzeugungsarbeit war daher nicht nötig, bevor der Pachtvertrag unter Dach und Fach war. Genau nach einem solchen Grundstück hatte das Ehepaar jahrelang gesucht, um sich den Traum von der eigenen Gärtnerei zu verwirklichen. Weiter auf dem Land wäre es deutlich leichter gewesen. "Doch was nützt uns die schönste Gärtnerei, wenn keiner zu uns kommt?"

Das ist mitten in Eschersheim anders, obwohl die Eschersheimer Landstraße offenbar eine Barriere für die sonst so rege Mundpropaganda ist. Immer wieder kommen Menschen aus dem westlichen Teil des Viertels an dem Grünstreifen vorbei, entdecken dabei zufällig das Kleinod in der Nachbarschaft, und lassen sich vom Kiesweg in die Geborgenheit führen.




Quelle:
http://www.fr-online.de/rhein-main/wie-man-frankfurt-lieben-lernt-in-die-geborgenheit,1472796,3438266.html
Create a free website with Weebly